Beuth Hochschule für Technik Berlin

Die Plastizität des menschlichen Gehirns

Foto: privat

 

Dr. Anja Bräuer studierte von 1993-1996 Biotechnologie an der TFH (seit dem 1. April 2009 Beuth Hochschule Berlin). Angeregt durch die Studienschwerpunkte Molekulare Genetik (bei Prof. Dr. Astrid Speer) und Zellbiologie (bei Prof. Dr. Monika Gross), wandte sie sich nach ihrem Studium vor allem klinischen Fragestellungen zu. So ergab sich die Promotion bis zum Jahr 2002 an der Medizinischen Fakultät der Humboldt Universität Berlin (HU) fast automatisch. Dort im Centrum für Anatomie beschäftigt sich Dr. Bräuer seit 1997, zunächst als Doktorandin, dann als wissenschaftliche Mitarbeiterin und schließlich als Assistentin, mit den molekularen Mechanismen der Entwicklung und Regeneration im menschlichen Gehirn. Noch bis vor Kurzem waren Wissenschaftler davon ausgegangen, dass einmal ausgebildete neuronale Verschaltungen des »erwachsenen« Gehirns nicht mehr veränderbar seien. Heute weiß man, dass das menschliche Gehirn sehr wohl in der Lage ist, geschädigte synaptische Verbindungen, zum Beispiel nach einem Schlaganfall, neu auszubilden. Diese Fähigkeit der Neurone (Nervenzellen), untereinander neue Verbindungen zu knüpfen, z.B. um den Funktionsverlust des Gehirns nach einer Läsion (Verletzung) zumindest in gewissen Grenzen selbst zu regenerieren, nennt man Plastizität. Dabei erhalten die Zellen ein Signal, das sie nicht wahllos sondern hochspezifisch und hochgeordnet neue Verknüpfungen in den verletzten Bereich hinein ausbilden lässt. Erst diese Spezifität ermöglicht dem Gehirn wieder eine normale Funktion. Welche molekularen Vorgänge daran beteiligt und welche Stoffe die Auslöser dafür sind, ist bis heute allerdings weitgehend unbekannt. Anja Bräuer hat es sich zum Ziel gesetzt, durch ein besseres Verständnis der Vorgänge im menschlichen Gehirn der medizinischen Forschung Möglichkeiten zu eröffnen, einmal verlorengegangene synaptische Verbindungen mittels therapeutischer Interventionen wieder spezifisch zu rekonstruieren. Im medizinischen Alltag könnten so in Zukunft vielleicht auch Krankheiten wie Morbus Alzheimer aber auch die Folgen von Schlaganfällen therapiert werden. In einer Vielzahl von Publikationen veröffentlichte Dr. Bräuer ihre zukunftsweisenden Forschungsergebnisse. Nach einem 9-monatigen Forschungsaufenthalt in Kanada, kam sie 2005 als Juniorprofessorin an die HU zurück und schreibt derzeit an ihrer Habilitation. Ungeachtet ihrer erfolgreichen wissenschaftlichen Karriere (Preise, Stipendien, Patente) und ihrer Lehrtätigkeit an der HU, hat sie die TFH nicht vergessen. Seit 2002 betreut sie nicht nur Diplomanden der TFH, sondern kehrt regelmäßig als Dozentin im Studiengang Biotechnologie an die TFH zurück.

Stand: 16.12.09
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