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Beuth Lebenswerk - Reform des Gewerbes
Bedingt durch Kriegsereignisse und dem daraus folgenden Zusammenbruch Preussens in den Jahren 1805 (Trafalgar, Austerlitz24) und 1806 (Ende des alten deut-schen Reichs, Siege Napoleons bei Jena und Auerstedt, die Besetzung Berlins durch Napoleon 1806) kam die Reformgesetzgebung Steins zunächst zum Erliegen. Erst als Ende des Jahres 1808 die französischen Truppen aus Berlin abzogen, versuchte eine Gruppe von Reformkräften die wirtschaftliche Bedeutung Preußens wieder zu beleben. Der offensichtliche Bankrott des Ancien régime hatte seine in die Zukunft weisenden Aspekte. Das Heereswesen musste erneuert, der enge Zusammenhang zwischen Militärsystem und Agrarverfassung aufgebrochen und die Staatsfinanzen saniert werden. Eingriffe in die Verwaltung und das Erwerbsleben wurden unumgänglich. Aber noch fehlte es den Reformbeamten, deren wichtigste Repräsentanten von Geburt „Nicht-Preußen“ waren, an einem aktiven gesellschaftlichen Konsens. Das preußische Bürgertum war wirtschaftlich schwach und politisch ohne Selbstbewusstsein. „Es kam [also] darauf an“, so Stein in seinem „Politischen Testament" vom 24. November 1808, „die Disharmonie, die im Volke stattfindet, aufzuheben, den Kampf der Stände unter sich, der uns unglücklich machte, zu vernichten, gesetzlich die Möglichkeit aufzustellen, dass jeder im Volk seine Kräfte frei in moralischer Richtung entwickeln könne....“25 Für die Reformen spielte die Erneuerung des Bildungs- und Erziehungswesens eine herausragende Rolle. In der Wirtschaftspolitik blieb es dem am 6. Juli 1810 zum Staatskanzler berufenen Hardenberg vorbehalten, die Steinschen Reformen fortzuführen, so u.a. durch die Freigabe der Gewerbe auf Grund der Einführung der Gewerbesteuer (1810), die Befreiung des Gewerbes vom Zunftzwang und dessen Bindung an die Stadt sowie 1818 durch den Erlass eines für die damalige Zeit vorbildlichen freihändlerischen Zolltarifs. Es soll an dieser Stelle nicht verschwiegen werden, dass die Befreiung vom Zunftzwang zu erheblichen Problemen in der handwerklichen Ausbildung von Lehrlingen führte. Die Zünfte beharrten auf der traditionellen Lehrlingsausbildung und sperrten sich gegen Unzünftige. Das Handwerk rief nach der Restaurierung der alten Zustände. Grund hierfür waren fehlende entsprechende Ausbildungsinstitutionen. Als Ersatz betätigten sich sogenannte Freimeister, die im Ruf standen, Lehrlinge als billige Arbeitskräfte zu missbrauchen.

- Eduard Gärtner, Klosterstraße 36 (1830) - Das Bild zeigt auf der rechten Seite die beiden Gebäude des „Gewerbe–Instituts“. Vor dem „Institut“ sind Beuth und Schinkel in einem Gespräch vertieft zu erkennen. Auf der schräg gegenüberliegenden Seite ist Christian Daniel Rauch (1777–1857) vor seiner Werkstatt stehend zu sehen. In der Straßenmitte begrüßen sich Franz Krüger (1797–1857) (auch „Pferdekrüger“ genannt), natürlich zu Pferde und Gärtner (1801–1877) zu Fuß.
Die mit der Gewerbefreiheit eingeführte Vergabe von Gewerbescheinen ab 1810 wurde auf Gewerbe eingeschränkt, die besonderen gesundheits- und sicherheitspolitischen Vorschriften unterlagen (Ärzte, Apotheker; Schiffer; Maurer; Zimmerleute). Eine öffentliche Beglaubigung benötigten Gerichtsdolmetscher, Feldmesser und Auktionatoren. Im übrigen galt als Voraussetzung für die Erteilung eines Gewerbescheins ein Attest der örtlichen Polizeibehörde über den rechten Lebenswandel. Für die Umsetzung der Reformen war als ranghöchste Behörde die „Königlich Preußische Technische Deputation für Handel und Gewerbe“ zuständig, die auf dem Grundstück des vormals Gräflich von Hackeschen Palais in der Klosterstraße 36 ihr Dienstgebäude hatte.
Als Direktor der „Deputation“ war Beuth ab 1819 verantwortlich für die Entwicklung neuer Techniken und Technologien, die Förderung des gesamten industriellen und gewerblichen Lebens in Preußen sowie die Aktivierung der binnenwirtschaftlichen (von außen war Hilfe nicht zu erwarten) Potentiale durch die Fortbildung der Gewerbetreibenden und Fabrikanten. In einem Gutachten vom 27. Juni 1817, in welchem Beuth mit Ausnahme des „Instituts für chemische Gewerbekunde“ unter dem Direktor Sigismund Friedrich Hermbstaedt (1760-1833) die bisherige Arbeitsweise der „Deputation“ heftig kritisierte, legte Beuth gleichzeitig ein programmatisches Regulativ vor. Zu den Kernpunkten gehörten ausgedehnte Informationsreisen der Deputationsmitglieder, die Beschaffung von Zeichnungen, Modellen, und technischen Einrichtungen, eigene technische Versuche der „Deputation“ in Werkstätten und Laboratorien, die Herausgabe von Publikationen technischer Inhalte sowie die öffentliche Lehrtätigkeit der Deputationsmitglieder.26

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