Beuth Hochschule für Technik Berlin

Beuths Lebenswerk - Bildungsreformen

Am 15. Januar 1821 gründete Beuth, nunmehr in der Verantwortung für die gesamte preußische Gewerbepolitik den „Verein zur Beförderung des Gewerbfleißes in Preussen“. Ihm gehörten hochkarätige Mitglieder an, wie u.a. die Staatsminister Frhr. v. Stein und Bülow, Alexander und Wilhelm von Humboldt, Staatsrat Gottlob Johann Christian Kunth27 (der Erzieher der Gebrüder Humboldt und Vorgänger Beuths als Direktor der „Deputation“), so auch die Generäle Scharnhorst und Gneisenau. Des weiteren traten Schinkel als Abteilungsleiter für die Baukunst und die schönen Künste, die Bildhauer Rauch (1777–1857) und Tieck (1773–1853), beide Mitglieder in Schinkels Abteilung, sowie Eytelwein (1764-1848) für die Abteilung Mathematik und Mechanik als Mitglieder dem „Verein“ bei. Die Mitgliederliste könnte beliebig erweitert werden um Persönlichkeiten wie Borsig, Egells, Freund, Feilner (Ofenbau), die Gebrüder Cockerill, Schichau, aber auch um nur wenig bekannte Gewerbetreibende und Fabrikanten. Das Namensverzeichnis des Vereins weist 279 Persönlichkeiten am 25. Februar 182128 als Mitglieder aus.

Die Ziele des Vereins benannte Beuth in seiner Eröffnungsrede am 15. Januar 1821 im Berliner Rathaus: „... Der Gewerbfleiß, welchen zu befördern wir beabsichtigen, ist die Grundlage des Reichthums einer Nation, und da wahrer Gewerbfleiß nicht ohne Tugend denkbar ist: so ist er auch die Grundlage der Nationalkraft überhaupt.... ... Die Überzeugung, meine Herren, das Gewerbfleiß die Grundlage der Wohlfahrt eines Landes sey, dass es mithin ein Verdienst sey, das Fortschreiten und Vervollkommnen der Gewerbe zu fördern, so wie insbesondere die Ueberzeugung, dass die Bildung einem Stande hauptsächlich Ansehn und Wichtigkeit in der bürgerlichen Gesellschaft gebe und sichre, hat um so eher freie Vereinigungen zu diesem Zwecke hervorgebracht, je eher in einem Volke der Sinn für Nationalwohlfahrt und öffentliche Leben erwacht war....“ Im weiteren Verlauf der Rede erwähnte Beuth die Vereinigungen, die sich bereits in England (seit 1754), Frankreich und in Bayern konstituiert hatten sowie deren Veröf-fentlichungen für Gewerbe und Industrie. Er verwies ferner auf die ausgelobten Preise, die silbernen und goldenen Medaillen für diejenigen, die nützliche Erfindungen und Verbesserungen ihrem Verein zur Kenntnis brachten. Und er fuhr in seiner Rede fort: „... Wenn uns übrigens der Ackerbau hier mit dem Beispiel gemeinsamer Bemühungen vorangegangen ist, so liegt es wol darin, dass der Stand der Manufakturisten und Fabrikanten in Preußen, lange gewohnt war, von der Fürsorge der Regierung und von ihrer unmittelbaren Einwirkung allein das zu erwarten, was er sich großentheils selbst hätte seyn können uns sollen. Wenn auch diese Fürsorge in neueren Zeiten nicht verhindert worden ist, sondern nur eine andre Richtung dahin erhalten hat, Verbesserungen einzuführen und zu verbreiten: so kann doch die aufmerksamste Regierung nicht alles sehn, es ziemt ihr auch nicht, alles für Andre zu thun, am Wenigsten aber kann sie die eigne Thätigkeit ersetzen.-“29
Schon 1817 war Beuth der Ansicht gewesen, dass es als adäquates Instrument zur Gewerbeförderung einer „Gewerbe-Schule“ bedurfte, die - und hier setzte die Neubegründung der technischen Ausbildung für Gewerbetechniker in Preußen ein - eine Festigung der Vorkenntnisse und eine bedarfsorientierte Fachausbildung anstrebte. Die Förderung und gezielte Subventionierung neuer Techniken sowie die Anwerbung von Industrieexperten sollten die gewerblich-technische Schulbildung ergänzen.

 

Stand: 07.10.11
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