Beuth Hochschule für Technik Berlin

Die letzten Jahre

Im Jahr 1840 erfolgte durch den Tod Friedrich Wilhelms III. ein Thronwechsel. Als vermeintlich liberaler „Romantiker auf dem Thron“ richtete Friedrich Wilhelm IV. (Regierungszeit 1840-1858/61) seine „außenpolitische“ Bestrebungen auf ein großes deutsches mitteleuropäisches Reich. Als Vorbild diente ihm das mittelalterliche Reich Karls des Großen. Romantik und Restauration prägten seine politischen Vorstellungen, die auf die Errichtung eines ständisch gegliederten Staatswesens abzielten. Er bekämpfte daher die liberalen Forderungen der 1848er Revolution. Jede verfassungsmäßige Einschränkung und Kontrolle des Regenten lehnte er ab. Daneben ist Friedrich Wilhelm IV. in die Geschichte eingegangen als der bedeutendste Architekturdilettant des 19. Jahrhunderts. Der König hinterließ über 4000 Zeichnungen, in denen er architektonischen Grundideen für die von ihm gewünschten zahlreichen Bauwerke festhielt.48
Die Gewerbefreiheit wurde 1845 aufgehoben, der Zunftzwang für eine Vielzahl von Gewerben wieder eingeführt. Das Koalitionsrecht, Löhne mit den Fabrikanten auszuhandeln, ging verloren. Beuth, der über zwei Jahrzehnte eine liberale Gewerbepolitik angestrebt hatte, kritisierte die rückschrittlich gewandten Verordnungen des Königs heftig. - Leider vergeblich.

Zuvor war die Gewerbeausstellung des Deutschen Zollvereins 1844 im Berliner Zeughaus ein glänzender Erfolg für Gewerbe und Industrie gewesen.49 In dieser Ausstellung zeigte Borsig eine von ihm gefertigte 18 Tonnen schwere Lokomotive, Werknummer 24, die er nach „Beuth“ benannt hatte. Borsig hatte der Lokomotive den Namen gegeben, weil er sich verpflichtet fühlte, Beuth trotz der vorzeitigen abgebrochenen Schulausbildung für alles, was er in der Schulzeit gelernt hatte, zu danken. 

Die Lokomotive ist vom Typ 1A1 mit der für Borsig typischen Konstruktion des Standkessels. Nach der Ausstellung 1844 gelangte die Lokomotive, von der noch 70 weitere produziert wurden, zur „Berlin-Anhaltischen Eisenbahn“ und versah bis zu ihrer Verschrottung im Jahr 1864 ihren Dienst. 1912 entstand anlässlich des 75jährigen Bestehens der Firma Borsig eine naturgetreue Nachbildung der Lokomotive „Beuth“, zunächst ohne Tender, welche heute im Museum für Verkehr und Technik in Berlin ausgestellt ist.

Am 1. Oktober 1845 legte Beuth offenbar in einem Anflug von Resignation mit Ausnahme des Sitzes im Staatsrat sämtliche staatlichen Ämter nieder. 1850 stellte Beuth auch den Vorsitz des „Vereins zur Beförderung des Gewerbfleißes“ zur Verfügung. Vor dem Hintergrund des Thronwechsels, der 1848er Revolution und der sich abzeichnenden Reorganisation des Gewerbeschulwesens im Jahr 1850 wird die resignative Haltung Beuths verständlich: Am 8. August 1848 (der Kollegzwang war bereits aufgehoben worden) berief der preußische Handelsminister eine Kommission zur Prüfung der Frage ein, ob das „Gewerbe-Institut“ „in bisheriger Weise fortbestehen solle, oder ob und wie es sowohl den gegenwärtigen Zeitanforderungen, als auch dem Bedürfnis der bezüglichen Gewerbe entsprechend, anderweitig einzurichten sein dürfte? Ganz besonders aber auch, welche Einrichtung der Anstalt zu einer Art polytechnischer Schule vergrößert werden sollte.“50
In Kenntnis der Tatsache, dass die jüngsten politischen Überzeugungen Änderungen im gewerb-ich-technischen Ausbildungswesen signalisierten und nach Auffassung Beuths auch fortgesetzt werden würden, schrieb Beuth am 19. Februar 1849 an seinen ehemaligen Schüler Baumann: „... Übrigens scheint mir die neue Gewerbeordnung ein tot geborenes Kind zu sein, das bald die Würmer fressen werden ... Von dem Tage an, wo ich aus dem Dienst geschieden bin, habe ich es mir zum Gesetz gemacht, kein Wort in Verwaltungsangelegenheiten zu sprechen, selbst als der Minister Milde - einst Zögling des Gewerbe Instituts - die ganze Anstalt aufheben wollte, weil sie nur Proletarier erzogen habe.“51

Das Gabmal Beuths auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin

Anlässlich der Feier zum 100sten Geburtstag Beuths 1881 meinte Delbrück im Hinblick auf die späten Lebensjahre des Staatsrats: „Seine Zeit war um. Eine andere Zeit hatte begonnen. Der Gewerbfleiß hatte sich gewaltig entwickelt, technische Kenntnisse waren allgemein zugänglich geworden. Die technische Ausbildung der Jugend war durch den festen Rahmen der bestehenden Unterrichtsanstalten gewährleistet. Zur Betretung neuer Bahnen fehlte Beuth die Jugendkraft.“52

Beuth verstarb am 27. September 1853 in Berlin. Seine Grabstätte befindet sich auf dem Friedhof der Dorotheenstädtischen und Friedrich-Werderschen Gemeinden in der Chausseestraße 126. Der Friedhof ist die traditionelle Begräbnisstätte bedeutender Gelehrter, Künstler, Industrieller und Politiker bis in die Gegenwart.53

Stand: 01.07.11
Seite ausdrucken Zum Seitenanfang
© 2011 Beuth Hochschule, Redaktion: Alumni