Beuth Hochschule für Technik Berlin

Wolfgang Grefrath berichtet über seine Erfahrungen


- eine ganz persönliche Betrachtungsweise über Ziele, Hürden und Akzeptanz des Geleisteten:

„Meine Erinnerungen an die TFH sind mit einem sehr stark verschultem Lehrbetrieb verbunden. Hier hatte ich in den ersten zwei Semestern erhebliche Probleme, die ich darauf zurückführe, dass ich erst im Alter von 35 Jahren das Abitur auf dem 2. Bildungsweg im Berlin-Kolleg neben meiner beruflichen Tätigkeit als Feuerwehrmann bei der Berliner Feuerwehr nachgeholt und ich mich während des Abendschulbesuches intensiv mit Erwachsenenbildung auseinandergesetzt habe, da ich bei der Berliner Feuerwehr als Ausbilder tätig war.

Während des Abendschulbesuches hat mich die Erwachsenenbildung sehr stark interessiert sowie das Bauingenieurwesen, da ich vor dem Abitur – ebenfalls im Abendschulbesuch – zunächst den Hochbau-Techniker an der damaligen Ingenieurakademie erworben hatte.

Die Berliner Feuerwehr hat mir das Studium an der TFH, Fachrichtung Maschinenbau mit dem Schwerpunkt Gefahrenabwehr und Schadensverhütung für den weiteren beruflichen Aufstieg angeboten. Da ich Familie hatte, habe ich zugegriffen und letztendlich zurückblickend diesen Werdegang auch nicht bereut, da sowohl die Tätigkeit bei der Berufsfeuerwehr in Berlin im ausübenden und vorbeugenden Brandschutz, die Technikerausbildung und das Studium an der TFH, mit dem Schwerpunkt Gefahrenabwehr und Schadensverhütung sowie meine anschließende Tätigkeit im Baurechtsamt im Landkreis Lörrach eine gute Grundlage dafür waren, dass ich im Alter von 47 Jahren meinen gut dotierten Beamten-Job gekündigt habe, um mich im Landkreis Lörrach als öffentlich bestellter und vereidigter Brandschutzsachverständiger selbständig zu machen.

Wolfgang Grefrath und sein Team - Foto: privat

Mein Büro besteht nun seit 1990. Die ersten 8 Jahre war meine Frau mit teilweiser Unterstützung durch eine Schreibkraft die einzige Mitarbeiterin in meinem Büro. Danach ist der Mitarbeiterstamm kontinuierlich gewachsen. In meinem Büro werden Brandschutzgutachten, Brandschutzkonzepte sowie brandschutztechnische Stellungnahmen zu allen Fragen des ausübenden Brandschutzes – in der Regel im Zuge von Baugenehmigungsverfahren – gefertigt. Der Schwerpunkt meiner Tätigkeit liegt in Baden-Württemberg.

Im Jahr 2005, im Alter von 62 Jahren, habe ich mich nach Eröffnung meines Berliner Büros als Brandschutzprüfer beworben. Aufgrund meines „hohen“ Lebensalters hat man mir von Seiten der Senatsverwaltung von der Bewerbung abgeraten, da die Zulassung als Prüfsachverständiger für Brandschutz mit Vollendung des 65. Lebensjahres erlischt. Hierzu habe ich mich kritisch geäußert, da bereits zu diesem Zeitpunkt in der Öffentlichkeit über eine längere Lebensarbeitszeit diskutiert wurde und meine öffentliche Bestellung als Brandschutzsachverständiger erst mit Vollendung des 68. Lebensjahres erlischt. Begleitend zu meiner kritischen Anmerkung habe ich mich um Zulassung für das Prüfverfahren beworben, damit ich der Prüfkommission gegenüber beweisen kann, dass ich über ausreichende Kenntnisse als Prüfsachverständiger verfüge. Hierzu habe ich zahlreiche Brandschutzgutachten eingereicht, die ich allein bzw. in Zusammenarbeit mit meinen Mitarbeitern gefertigt habe. Ohne hier auf die Arbeitsweise in meinem Büro im einzelnen einzugehen, verlassen nur Brandschutzgutachten mein Büro, die von mir inhaltlich geprüft wurden. So mache ich seit Jahren das, was die vom Senat zugelassenen Prüfsachverständigen auch tun. Meine Bewerbung wurde mit dem Hinweis abgelehnt, dass ich die eingereichten Brandschutzgutachten nicht selber geschrieben habe weil ich meinen Mitarbeitern gestattet habe, dass sie mit ihrer Unterschrift unter dem Gutachten auch ihre Mitarbeit dokumentieren. Die von mir dann angestrebte Klage vor dem Verwaltungsgericht habe ich nach Kenntnis über den zeitlichen Verfahrensablauf aufgrund der o.g. Altersgrenze zurückgezogen. Ohne dass mich die Senatsverwaltung darüber in Kenntnis gesetzt hat wurde zwischenzeitlich die Altersgrenze auf 68 Jahre angehoben. Der gesamte Ablauf machte mir deutlich, dass es offensichtlich nicht um meine fachliche Kompetenz ging sondern darum, dass man Bewerber von außen als Prüfsachverständige nicht haben möchte.

Vergleichbares habe ich als – wie ich meine im positiven Sinn – kritischer Beamter auch bei der Berliner Feuerwehr erlebt. Da ich nach Abschluss meines Studiums an der TFH und der Abschlussprüfung für den gehobenen feuerwehrtechnischen Dienst mit Beförderung zum Brandoberinspektor nach weiteren 3 Jahren noch keine Chance sah weiter beruflich aufzusteigen, habe ich mich im Alter von 43 Jahren um eine andere Stelle – hier als Brandschutzsachverständiger im Landratsamt Lörrach – beworben. Obwohl mein in Berlin errichtetes Einfamilienhaus zu diesem Zeitpunkt noch nicht fertig war, meine Tochter gerade ihre Lehre abgeschlossen hatte und mein Sohn noch ein Jahr zur Schule gehen musste, habe ich die Stelle im Landratsamt angenommen, da sie mit zwei Beförderungsstufen verbunden war. Durch den Wegfall der Berlinzulage hatte ich zunächst keine wirtschaftlichen Vorteile.

Mein beruflicher Werdegang begann mit einer Tischlerlehre, die ich mit Auszeichnung bestanden habe. Aufgrund der sehr autoritären Personalführung durch den Meister in der Tischlerei stand für mich bereits während der Lehrzeit fest, nicht unter vergleichbaren Verhältnissen ein Leben lang arbeiten zu wollen.

An den Berufsschullehrer habe ich sehr gute Erinnerungen, da er sich auch außerhalb der Berufsschule um die jungen Auszubildenden mit entsprechenden Freizeitaktivitäten gekümmert hat. Das, was ich in der Lehre gelernt habe, konnte ich häufig im privaten Bereich nutzen. Tischler ist ein schöner Beruf.

Die Tätigkeit bei der Berliner Feuerwehr war sehr interessant. Wenn ich mich in einem Fachgebiet sicher fühlte, habe ich mich für andere Aufgaben beworben. So habe ich nach meiner Ausbildung zum Feuerwehrmann eine Ausbildung zum Telegrafisten absolviert, danach, im Rahmen des Fahrzeugführerlehrganges, eine Samariterausbildung abgeschlossen. Danach habe ich mich als Feuerwehrtaucher ausbilden lassen. Anschließend habe ich mich als Ausbilder zur Feuerwehrschule beworben, da ich den damit verbundenen 8 Stunden Tag besser mit meinem Abendschulbesuch verbinden konnte.

Jede neue Aufgabe war mit neuen Herausforderungen verbunden, die zu einer Zufriedenheit führten, wenn sie erfolgreich bestanden wurden. Hierzu zähle ich auch die Tätigkeiten als Einsatzleiter bei der Berliner Feuerwehr, ein gutes Fachwissen war die Grundlage für eine erfolgreiche Bewältigung der Aufgaben auf der Einsatzstelle. Die praktische Tätigkeit bei der Feuerwehr führte in der Regel zu einer großen Zufriedenheit mit dem Beruf, da die nicht vorhersehbaren Aufgaben im Einsatzgeschehen in der Regel erfolgreich bewältigt wurden.

Zweifel an der Richtigkeit des gewählten Berufes kam auf, wenn schwerverletzte Personen oder Tote im Einsatzgeschehen beteiligt waren.

Ehe ich mich noch in weitere Einzelheiten verliere, spanne ich noch kurz den Bogen zu meiner Selbstständigkeit. Die inneren Widerstände in den Behörden sowohl bei der Berliner Feuerwehr als auch im Landratsamt Lörrach, die Schwierigkeit, Ideen umzusetzen, die Abhängigkeit von Vorgesetzten, um beruflich weiterzukommen, waren für mich letztendlich der Anlass, meinen Beamtenjob an den Nagel zu hängen. Ich hatte und habe immer noch viel Vertrauen zu mir selber, dass ich fachlich etwas kann und auch menschlich mit anderen gut zurechtkomme, ohne mich anzubiedern.

Mit diesen Eigenschaften habe ich beruflich guten Erfolg. Auch während meiner freiberuflichen Tätigkeit habe ich gelegentlich mit Personen zu tun, die mir z.B. als Bauherr oder Architekt vorschreiben wollen, was ich zu tun habe. Auch wenn ich selbstverständlich grundsätzlich die Interessen meiner Auftraggeber berücksichtige, behalte ich mir vor, eine eigene Entscheidung zu treffen. Auch wenn damit teilweise die Zusammenarbeit beendet wurde, hatte ich das beglückende Gefühl, nicht von diesen einzelnen Personen abhängig zu sein."

Wolfgang Grefrath

Stand: 25.02.11
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