Beuth Hochschule für Technik Berlin

Beuths Persönlichkeit

Aquarell von Franz Krüger: Die Mütze der Lützowschen Jäger war Beuths alltägliche Kopfbekleidung.


Die Persönlichkeit Beuths war durch eine allseits anerkannte soziale Kompetenz sowie durch eine bis kurz vor seinem Ableben ungebrochene Tat- und Willenskraft und breitgefächerte Aktivitäten gekennzeichnet.

Der Staatsminister und spätere Chef der Reichskanzlei Rudolph von Delbrück (1817-1903) beschrieb aus eigenem Erleben den Staatsbeamten Beuth in seinen 1905 veröffentlichten Lebenserinnerungen wie folgt:

"Äußerlich war er eine auffallende Erscheinung: eine große Gestalt mit kleinem Kopf und ungewöhnlich breiten Hüften, bekleidet mit einem blauen Überrock von altväterischem Schnitt und mit weiten Beinkleidern, auf der Straße bedeckt mit einer Militärmütze. Unter dem dichten grauen Haar leuchteten aus dem gefurchten Gesicht ein Paar kleine blaue Augen. Er war wortkarg, aber jedes Wort, das er mit seiner dünnen Stimme sprach, war bestimmt und klar....“4

 

 

Facetten der privaten Interessen und Aktivitäten Beuths zeigen sich in seinem Engagement für den Gartenbau, die Natur, die Musik, für Pferde und Hunde. So gehörte z.B. Joseph Peter Lenné (1789-1866), auf dessen Veranlassung 1828 Beuth vorübergehend mit dem Vorsitz des „Vereins zur Beförderung des Gartenbaus in den Königlich Preußischen Staaten“ betraut wurde, zu seinen Gesprächspartnern.5

Sommerwohnung von C.P.W. Beuth in Schönhausen bei Berlin - Aquarell mit der Unterschrift: „Nachspiel der Gedanken aus Schönhausens Sommerstunden - Schinkel 1835"

Der altgedienter Seconde Lieutnant Beuth, ernannt im November 1813, und spätere Träger des Eisernen Kreuzes in der Lützowschen Kavallerie6 während der Befreiungskriege7, betrieb auf dem Gelände seines Cottage in Schönhausen eine kleine Pferdezucht. Mit ihr befasste er sich auch literarisch. So schrieb er zum Beispiel Abhandlungen über den Hufbeschlag, die Zähmung von Pferden, den Wagenbau sowie die östlichen Reitervölker. Keine Überraschung war es daher, dass Beuth auf seinen Reisen selten den Besuch eines Pferderennens versäumte.

Als Tenor war Beuth ein aktives Mitglied der „Singakademie“, mit deren Leiter Carl Friedrich Zelter (1758-1832) verband ihn eine enge Freundschaft.8 Musiktheoretische Arbeiten sind weitere Zeugnisse für die Vielseitigkeit seiner Begabungen. Beuth besaß ferner eine viel bewunderte Bibliothek und neben einigen Federzeichnungen namhafter Künstler eine vom Vater begonnene wertvolle Sammlung von Stichen Dürers in einer fast lückenlosen Zusammenstellung von Originalabzügen.
Beuth zeigte auch in sozialer Hinsicht seine Hilfsbereitschaft. So kümmerte er sich intensiv um die Betreuung des Pflegesohns Hugo von Schierstädt, der Adoption Hermann von Quinckes (1808–1891), der „Onkel Peter und Tante Lisette - die Schwester Beuths -“ in Berlin häufig besuchte, und - wie Sodan weiter berichtet – in den testamentarischen Bestimmungen: Sie sprachen der Armenverwaltung von Cleve 4000 Taler als Hilfsfond für bedürftige Frauen zu. Ferner wurden im Testament zwei fünfjährige Stipendien für minderbemittelte, aus Cleve gebürtige Studierende ausgesetzt. Diese Studenten sollten bevorzugt werden, sofern sich nicht Nachkommen aus eng befreundeten Familien bewarben.9 Das Stipendium setzte das Studium an der Berliner Universität oder nach 1879 an der Technischen Hochschule (Architektur oder Bauingenieurwesen) voraus.

Delbrück hob ferner Beuths wissenschaftliche Fähigkeiten, gesellschaftliche Interessen und organisatorische Qualitäten hervor. Der Beamte Beuth wäre von Fleiß und Energie durchdrungen und dazu befähigt gewesen, Einzelprobleme sachgemäß zu lösen. Es gelang ihm ebenfalls „... den Rahmen des Bürokratismus zu sprengen und die schöpferischen Kräfte des jungen Preußen zu gewaltiger Aufbauarbeit zusammenzufassen....“10 Ein beredtes Zeugnis für die Teilnahme Beuths am gesellschaftlichen Leben legte die von Delbrück erwähnte „Sonntagsgesellschaft“ ab.11 „... Sein Haus war Sonntags abends für einen Kreis alter und junger Freunde geöffnet, im Winter in seiner Dienstwohnung im zweiten Stock des Gewerbehauses, im Sommer in seiner kleinen Cottage in Schönhausen. Seine bejahrte Schwester, welche dem Hauswesen des alten Junggesellen vorstand, machte in liebenswürdig anspruchsloser Weise die Wirtin. Die Gesellschaft bestand aus höheren Beamten, namentlich den Räten der Abteilung mit ihren Damen, aus Künstlern und Kennern, aus Technikern und Offizieren. Ich habe an diesen Abenden, zu welchen ich mich oft einfand, die aus meiner Kinderzeit herrührende Bekanntschaft mit Rauch erneuert, von neuen Bekanntschaften habe ich die mit den Bildhauern Tieck, Wichmann, Drake und Kiß, mit den Kunstforschern Zahn und Waagen und mit dem General von Willisen, dem späteren Gesandten in Rom, hervorzuheben. Die Unterhaltung, welche bei der Wortkargheit des Hausherren nicht immer leicht in Fluß zu erhalten war, bewegte sich vorzugsweise um künstlerische Fragen und Interessen; ... Er gehörte zu den Naturen, deren wahres Wesen nur langsam erkannt wird, er konnte anfangs durch Gleichgültigkeit, Kälte oder Schroffheit zurückstoßen, wer ihm aber näher trat, wurde inne, daß er Tiefe des Gemüts und Wärme des Herzens besaß.“12

 

In einer Einladung zum Beuth-Tisch (Anhang 14) aus dem Jahre 1852 hieß es: „Wenn ein Mittagessen im Überrock und ohne Ansprüche Ihnen recht ist, so bitte ich Sie, sich Montag den 19ten gegen 3 Uhr bei mir einzufinden." Ihr Beuth

Zu diesen „Sonntagsgesellschaften“ waren neben den genannten Persönlichkeiten wie Tieck und Rauch13 auch regelmäßig Prominente wie u.a. Egells, Borsig, Freund, Wöhlert, J. W. Wedding (1798-1872), Adolph von Pommer–Esche (1804–1871) (dessen Tochter, die spätere Frau von Delbrück, ein Patenkind Beuths war), der „Urfreund Beuths“ Karl Friedrich Schinkel (1781-1841), hochrangige Militärs sowie manch kleiner, unbekannter Handwerker geladen.

Die „Sonntagsgesellschaft“, die später als „Beuth-Tisch“ weiter geführt wurde15, kann aus heutiger Sicht als eine Institution auf „hoher privater Ebene“ bezeichnet werden, die nicht nur Themen der aktuellen Politik und Kunst diskutierte. Unter dem besonderen Einfluss Beuths stand ebenfalls die Realisierung der „Beförderung des Gewerbfleißes“ im Mittelpunkt der Gespräche. Ergänzt wurde der Themenkatalog durch die Berichte Beuths und Schinkels über ihre Erkenntnisse, die sie auf Informationsreisen im In- und Ausland erworben hatten. In den Diskussionen kam übrigens auch Beuths Skepsis gegenüber dem Eisenbahnbau in Preußen zum Ausdruck. Das bestätigte Delbrück wenn er schrieb, Beuth war ein „... Mann, welcher mehr als irgendein andrer getan, um für den Eisenbahnverkehr die Elemente und für den Eisenbahnbetrieb die technischen Mittel zu schaffen,  - aber - dem Eisenbahnbau in Preußen gleichgültig gegenüber - stand -, weil er aus seinen Wahrnehmungen in England die Überzeugung mitgebracht hatte, daß der preußische Verkehr noch lange nicht imstande war, sich von dieser einmal gewonnenen Überzeugung zu trennen....“16
Auch die Lehrer am „Gewerbe-Institut“ zweifelten zunächst, ob die Dampfmaschine auf glatten Rädern und Eisenschienen, ohne ins Rutschen zu kommen, Fahrt aufnehmen könnte. Sie bestärkten den Kavalleristen Beuth in seiner Überzeugung, der „uneingeschränkt der Meinung“ war, dass die schönen und guten Pferde, die der „Herrgott Jahr für Jahr in die Welt schickte, ganz gewiss ausreichend seien, um die Kohlen, die Mehlsäcke und schließlich die Menschen selbst von einem Ort zum anderen zu befördern.“17
Dessen ungeachtet sah Beuth dennoch in fortgeschrittenem Alter und bei entsprechendem Angebot in der Benutzung der Eisenbahn eine willkommene Alternative zur Postkutsche.18 Mit diesen Zusammenkünften war das Fundament für einen zukunftsweisenden Gedankenaustausch auf den Feldern der Technik, der Wirtschaft, des Handels, des Gewerbes und der diesen Gebieten adäquaten Bildung gelegt worden.

Der „zeitige“ Vorsitzende von Pommer–Esche führte 1853 in seinem Nachruf auf den „verewigten Stifter“ des „Vereins zur Beförderung des Gewerbfleißes“ aus, dass sich der Verstorbene "... ohne Ansehen der Person gegen jeden aussprach und das, was er als das Wahre erkannt hatte, zur alleinigen Richtschnur seines Handelns machte, Achtung und Anerkennung, die er dem wahren Verdienste bei Hoch und Niedrig zollte, das Wohlwollen, womit er es durch Rath und That zu fördern und zu lohnen trachtete, die Treue und Unabhängigkeit, die er seinen Freunden bewahrte, und wer, der ihm näher stand, hat es nicht erkannt, wie hinter dem mitunter rauhen Scheine ein tiefes Gemüth und wahre Herzensgüte sich barg! ... Durch ausgezeichnete Geistesgaben, durch Schärfe des Urteils, durch einen seltenen praktischen Blick, durch umfassendes Wissen, durch weitverzweigte gediegene Kenntnisse, durch Energie des Willens, durch gewissenhafte Überzeugungstreue ragte er hervor vor Vielen, - aber mit all diesem vereinte sich in ihm ein hoher Kunstsinn, eine reiche künstlerische Begabung, ein bewundernswerthes technisches Genie, das auf dem weiten Gebiet der Technik sofort den Kern der Sache zu erfassen, das was Noth thut zu erkennen und schaffend und rathend einzuwirken wußte.... - Und er hat erfüllt jenes Wort, welches sagt: wem viel gegeben ist, von dem wird man viel fordern!“19


In seinem Buch "Berlin, Schicksal einer Weltstadt" (1958) charakterisiert rückblickend Walter Kiaulehn den prominenten Staatsbeamten Beuth als einen Menschen, der "überall, in den Schulen und Fabriken, in den Künstlerateliers und Handwerksstuben [unterwegs war]. Er kannte alle Welt, stellte Verbindungen zwischen Menschen her, die sich seiner Meinung nach kennen sollten, lehrte, ermahnte, wehrte ab und förderte alles, was von unten nach oben wollte. In seiner Selbstlosigkeit und seiner großen sozialen Kraft war er ein Glücksfall, der sich in seiner Klarheit leider nicht wiederholt hat."

Stand: 07.10.11
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