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Beuths Lebenswerk - seine Wirtschafts- und Bildungspolitik
Am 21. Dezember 1839, also zu einem Zeitpunkt, an dem Beuth den Höhepunkt seines Wirkens erreicht hatte, veröffentlichte er für Industrie und Gewerbe zukunftsweisend die prinzipiellen Parameter seiner Wirtschafts- und Bildungspolitik. Er stellte fest, dass "... (ein) Staat, der wie der preußische seinen Fabrikanten nicht durch Einfuhrverbote oder abnorme Eingangsabgaben Prämien bewilligt, die es überflüssig machen, sich viel um sie zu kümmern, der sie vielmehr dem Wind und Wetter der Konkurrenz aussetzt, hat auch meines Erachtens die Pflicht, sie mit den Mitteln bekannt zu machen, die Konkurrenz siegreich zu bestehen."41
Auf staatlich finanzierten Reisen nach Frankreich, Belgien, den Niederlanden und vorwiegend nach England erfüllten neben Beuth und Schinkel auch v. Stein, v. Hardenberg, Kunth und prominente Unternehmer die angemahnte Pflicht. Zweck dieser Auslandaufenthalte war, sich möglichst umfangreiche und detaillierte Kenntnisse über den jeweils aktuellen Stand der Produktionsmittel und Fabrikate zu verschaffen. Dieser angestrebte Technologietransfer bedeutete angesichts der von den „Zielländern“ erlassenen Schutzmassnahmen (Ausfuhr- und Auswanderungsverbote für Maschinenbauer sowie andere Facharbeiter) nichts anderes als – im heutigen Sprachgebrauch – Werksspionage. Operative Mittel hierfür waren persönliche Beziehungen, Bestechungsgelder, Deckadressen, chiffrierte Mitteilungen und im Staatsdienst stehende Agenten.42
Ein besonders trickreiches Verhalten zur Umgehung des Werksschutzes legte v. Stein, der bereits 1787 mit einem Industriezeichner nach England gereist war um ihn Maschinen in englischen Fabriken zeichnen zu lassen, an den Tag. Er wurde ertappt, nachdem er den als Landschaftsmaler getarnten Industriezeichner nach England „eingeschleust“ hatte. Vom Maschinenbauer Egells wurde berichtet, dass er 10000 Reichstaler an Bestechungsgeldern auf seiner einjährigen Informationsreise in England ausgegeben hatte. Nach Rückkehr errichtete er eine „Musteranstalt des Maschinenbaus“ und übergab Beuth wichtige Industrieunterlagen.43 Übrigens konnten auch Schüler, die sich in der Ausbildung befanden, Informationsreisen unternehmen, die aber einer strengen Genehmigungspflicht unterlagen: Besichtigungsreisen oder etwa Rundreisen, die nicht im ministeriellen Interesse lagen, wurden nicht unterstützt. Ein bestimmtes zweckgebundenes Unterkommen im Ausland musste vor Reiseantritt verbindlich ermittelt sein und feststehen. Das Vorhandensein eines nützlichen, fachorientierten Praxisplatzes war unumgänglich. Abschließend soll Beuth das Wort zu Auslandsreisen erteilt werden: „Wenn ich weiß, wie und wo ein Gewerbeschüler seine erworbenen Erkenntnisse im Inlande anwenden wird, kann ich eine Unterstützung für einen Aufenthalt im Ausland aus den Abgaben preußischer Einwohner rechtfertigen, nicht aber, wenn dies nicht der Fall ist.“44
Mit Exportlizenzen eingeführte aber auch geschmuggelte Maschinen und Maschinenteile fanden Aufnahme in der Klosterstraße Nr. 36 bzw. 35 (ehemaliges Pagenhaus, das 1827 hinzugekauft und von Schinkel bis 1831 umgebaut wurde). Die Objekte wurden ausgestellt, im Laborunterricht eingesetzt, meistens nachgebaut oder auch an anerkannte Fabrikanten (wie z.B. Borsig) kostenlos ausgeliehen.45 Erst nach mehrjährigem, erfolgversprechenden Betrieb, wechselten die Maschinen in das Eigentum des Benutzers. Der privilegierte Fabrikant seinerseits musste als Ausgleich für die Überlassung der Maschine bereit sein, diese den von Beuth benannten Interessenten vorzuführen und gegebenenfalls Bedienungspersonal anzulernen. Diese Maßnahmen verraten, dass der Staat, repräsentiert durch Beuth, in die Anschaffung von Produktionsmittel unmittelbar eingriff, um moderne industrielle Verfahren massiv zu fördern.
Aufgrund der von Beuth geschaffenen verlagstechnischen Voraussetzungen erschloss Beuth dem technischen Schrifttum eine breite Öffentlichkeit. Die „Verhandlungen des Vereins zur Beförderung des Gewerbfleißes in Preußen“ dürften als erste technische Zeitschrift angesehen werden. Andere Publikationen waren die „Vorbilder für Fabrikanten und Handwerker“ unter Mitwirkung von Schinkel, der die „Vorbilder“ durch Werksskizzen und sorgfältig ausgeführte Bauzeichnungen erweiterte. Die „Vorbilder“ wurden als besondere Auszeichnung an Gewerbetreibende vergeben. Die „Vorbilder für Bauhandwerker und Maschinenbauer“, eine weitere Veröffentlichung, diente als Belohnung für ausgezeichnete Schulleistungen. Beuth und Schinkel gebrauchten die „Vorbilder“ auf ihren Reisen als „Musterbücher“, die sie während ihres Aufenthalts (am 17. April 1826) in Weimar auch Goethe vorlegten, der – wie Schinkel berichtete – an diesem Tag „nicht ganz wohl war, auch wegen Geschwulst am Kinnbacken Pflaster trug.“46 Goethes Tagebucheintrag über diesen Besuch lautet: “Die Herren Schinkel und Beuth, von Berlin über Paris und London gehend, brachten architektonische und sonstige Abbildungen mit. Unterhielten sich mit mir und Ottilie eine Stunde.“47 Eine Fülle von Druckblättern gewerblich-technischer Inhalte bereicherte als Lehrmittel den Unterricht. Die „Königlich Technische Deputation für Gewerbe“ gab ferner unter der Leitung Beuths eine Vielzahl von Fabriklehrbüchern heraus.

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