Lina Baden

Große Bühnen sind ihr Metier

Lina Baden übernahm 2011 als erste Frau in der Geschichte der Pariser Opéra Bastille die Position der Technischen Produktionsleiterin. Heute arbeitet sie im Friedrichstadt-Palast in Berlin.

Von Australien nach Macao

Mit dem richtigen Instinkt und einer Portion Glück gelang Lina Baden bereits 2006 der Einstieg in die Theaterwelt. Nach ihrem Diplom der Theater- und Veranstaltungstechnik an der Technischen Fachhochschule Berlin reiste sie – nur mit Hin- und Rückflugticket sowie den Adressen potenzieller Arbeitgeber – nach Australien. Den Fuß in die Tür zur Theaterwelt zu bekommen, war anfangs schwierig. „Ich habe das Leben in Australien genossen“, sagt sie, „es war anfangs etwas schwierig den Fuß in die Tür zur Theaterwelt zu kriegen, aber ich war als Freelancerin beruflich flexibel und hatte die Zeit, Land und Leute kennen zu lernen.“

Szenenbild aus Zaia; Foto: Lina Baden

Aus dem Bauch heraus bewarb sie sich 2007 beim Cirque du Soleil für das Akrobatikspektakel „Zaia“ in Macao, China, für das in dem gigantischen Hotelkomplex „The Venetian“ extra eine feste gigantischen Spielstätte gebaut wurd. „Ohne mir etwas dabei zu denken, hatte ich meinen Lebenslauf auf der Website vom Cirque du Soleil gepostet, wurde prompt zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen“, erzählt Lina Baden, „und als Beleuchtungstechnikerin engagiert“. Ein Job, den die Alumna bereits aus Australien kannte. „Bei meiner ersten Stelle hier fühlte ich mich intellektuell nicht sehr gefordert und schrieb sogar nebenbei meine Masterarbeit“, erzählt die Absolventin.

Nach der Premiere von „Zaia“ kehrte sie nach Europa zurück.

Einblick in die Konstruktion des Bühnenraums beim Aufbau. Foto: Lina Baden

Nachdem sie einige Monate für die Shakespeare Company in Stratford-upon-Avon, England gearbeitet hatte, wurde ihr eine Position als Technische Assistentin / Technische Projektleiterin bei der spektakulären Wassershow „The House of Dancing Water“ angeboten, welche die Franco Dragone Company in einem riesigen Theater in Macao, was eigens für diese Show gebaut werden sollte, plante und umsetzte. „Das hat mich gereizt, auch wenn wir teilweise 80 Stunden pro Woche, ohne freie Tage und am Wochenende gearbeitet haben“, erzählt sie. Für die Planung lebte sie zunächst einige Monate in Belgien, ehe es wieder für gut 15 Monate nach Macao ging. Erst 2010 kehrte sie nach Europa zurück.

Mit Fingerspitzengefühl zum Erfolg

Die Arbeit an großen Bühnen sowie in interkulturellen Teams sind der Alumna schon durch ihre Arbeit in Macao vertraut. Was sich auszahlen sollte, als sie 2011 die Position der Technischen Produktionsleiterin an der weltberühmten Pariser Oper, genauer an der Opéra Bastille, übernahm. „Die Zusammenarbeit mit Menschen aus anderen Kulturen ist sehr spannend. Jeder bringt seine eigenen Erfahrungen und Nuancen ein.“ Einfach ist es nicht. „Als Frau in der Technik muss man sich immer mehr beweisen und wird kritischer betrachtet als ein männlicher Kollege. Gerade in Paris, wo ich als erste Frau in der Geschichte der Oper diese Position innehatte und dazu noch keine 30 und somit im Schnitt gut 20 Jahre jünger als meine Kollegen war, hat es geholfen, zunächst zurückhaltender zu sein und ein Gefühl dafür zu bekommen, wie das Team funktioniert und wie meine Kollegen ticken.“

Der Erfolg gibt ihr Recht.

Am Friedrichstadt-Palast hat Lina Baden 2013 ihre Traumstelle gefunden, wie sie bei der Veranstaltung Alumni-Face to Face verriet: „Mit jeder neuen Show gibt es neue Herausforderungen. Langweilig wird es nie.“

„Blick von der größten Theaterbühne der Welt“ Friedrichstadt-Palast | Soenne