Beuth Hochschule für Technik Berlin

Zeitleiste
1781 Geburt in Kleve (28.12.1781)
1798 Studium der Rechts und Kameralwissenschaften an der Universität Halle
1801 Eintritt in den preußischen Staatsdienst
1809 Regierungsrat in Potsdam - Beginn der Freundschaft mit Schinkel
1810 Berufung nach Berlin - Kommission für neue Grundgesetze zur Staatsreform
1811 Geheimer Obersteuerrat im preußischen Finanzministerium
1818 Leiter der Abteilung für Handel und Gewerbe im Ministerium für Handel, Gewerbe und Bauwesen
1819 Direktor der technischen Deputation für Handel und Gewerbe
1821 Gründung des "Vereins zur Beförderung des Gewerbfleißes in Preußen"
1821 Gründung der "Technischen Gewerbeschule" in der Klosterstraße 36
1822 Erstveröffentlichung der "Verhandlungen des Vereins zur Beförderung des Gewerbfleißes"
1823 Reisen nach England, Frankreich, Niederlande, Schlesien
1826 Reise mit Schinkel nach England und Frankreich
1827 Erhöhung der "Technischen Gewerbeschule" in ein "Gewerbe-Institut"
1830 Wirklicher Geheimer Oberregierungsrat; Direktor der "Allgemeinen Bauschule"
1834 Ehrenpromotion durch die Universität Halle
1845 Inkrafttreten der neuen "Allgemeine Gewerbeordnung" (17.01.1845)
1845 Rücktritt von seinen staatlichen Ämtern, mit Ausnahme seines Sitzes im Staatsrat (1.10.1845)
1850 Niederlegung des Vorsitzs des "Vereins zur Beförderung des Gewerbfleißes in Preußen"
1853 Lebensende in Berlin (27.09.1853). Beerdigung in einem Ehrengrab auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin-Mitte
Weitere Informationen

zu Christian Peter Wilhelm Beuth finden Sie auf:

Briefmarke Peter Beuth 1781-1853. Deutsche Bundespost Berlin 1981
C. P. W. Beuth und W. v. Humboldt vor dem Deutschen Institut für Normung (Burggrafenstraße 6, Tiergarten-Berlin). Abguss 1987, originale Sockelfiguren eingeweiht 1878. Autor Gustav Blaeser.
Die Lokomotive "Beuth" war Teil der Gewerbeausstellung von 1844. 1912 entstand anlässlich des 75jährigen Bestehens der Firma Borsig eine getreue Nachbildung der Lokomotive „Beuth“, heute im Museum für Verkehr und Technik in Berlin.
Ehrengrab Beuths auf dem auf dem Dorotheenstädtischer Friedhof Berlin.

Namenspatron der Hochschule

C.P.W. Beuth, der "Vater der Ingenieurwissenschaften" (1)

Christian Peter Wilhelm Beuth (geb. 28.12.1781 Cleve, gest. 27.09.1853 Berlin), zählt zu den bedeutenden Staatsmännern des 19. Jahrhunderts, denen die preußische Industrie ihren wirtschaftlichen Aufstieg verdankt. Seine Initiativen bereiteten den Boden für die Modernisierung und Professionalisierung der handwerklich-technischen Ausbildung.

 

C.P.W. Beuth - Portrait nach einer Studie von Franz Krüger, ca. 1835
Lebensdaten

C. P. W. Beuth wird 1781 im niederrheinischen Cleve als Sohn eines Arztes geboren. Nach dem Studium der Rechte und Kameralwissenschaften an der Universität Halle tritt er in den preußischen Staatsdienst ein. Schnell steigt er als Beamter auf und wird in das Finanzministerium berufen. Ab 1817 gehört er als ein Reformer der Gewerbepolitik in Preußen dem neuen Handelsministerium an und tritt nach dessen Auflösung 1825 in das Ministerium des Innern ein. Dort wird er 1830 als Wirklicher Geheimer Oberregierungsrat Direktor der Abteilung für Handel, Gewerbe und Bauwesen wird.

Seit 1821 ist er Mitglied des Staatsrats und erhält 1844 den Titel eines Wirklichen Geheimen Rates. Aber bereits ein Jahr später tritt er aus Protest gegen die geplanten Einschränkungen der Gewerbefreiheit von seinen staatlichen Ämtern zurück. 1853 stirbt Beuth und wird auf dem Dorotheenstädtischer Friedhof in einem Ehrengrab beigesetzt.

 

Beuth als Innovator der Natur- und Ingenieurswissenschaften

Die Lebensleistung Beuths liegt in der Förderung von Bildung und Innovationen auf dem Gebiet der Natur- und Ingenieurswissenschaften. 1819 wird er zum Direktor der „Technischen Deputation für das Gewerbe“ ernannt, einer Vereinigung von Beamten, Bürgern, Wissenschaftlern und Unternehmer, die sich der Erneuerung der preußischen Gesellschaft verschrieben haben. Nicht mehr eine abstrakte Gelehrsamkeit sondern die praktische Anwendung von technischen Erfindungen sollen Preußens Industrie und Wirtschaft konkurrenz- und weltmarkfähig machen. Beuth selber fährt mehrfach ins Ausland (England, Frankreich, Niederlande u.a.) und bringt von dort – auch widerrechtlich – Zeichnungen, Modelle und sogar Teile von Anlagen mit, um sie zu Hause untersuchen und weiterentwickeln zu lassen. In der Deputation lässt Beuth Erfindungen auf Ihre Neuheit vorprüfen, ein bis dahin unbekanntes Verfahren, wodurch Beuth auch der späteren deutschen Patentgesetzgebung den Weg weist.

Bronzemedaille des Vereins zur Beförderung des Gewerbfleißes in Preußen (1846). Das Avers zeigt ein Profilporträt von P.C.W. Beuth, das Revers eine Natur-Technik-Allegorie mit dem Sinnspruch: "Wer geistreich denkt und eifrig schafft dem dient Natur mit ihrer Kraft"
Beuth als Förderer des Strukturwandels

1821 ruft Beuth den „Verein zur Beförderung des Gewerbfleißes in Preußen“ ins Leben, der mehr als einhundert Jahre überdauert und erst im Zweiten Weltkrieg aufgelöst wird. Nach englischem und französischem Vorbild soll eine „Vereinigung solcher Männer, welche sich denjenigen Wissenschaften ganz gewidmet haben, welche die Grundlage der Gewerbe sind, und solcher Männer, welche die Gewerbe theoretisch und praktisch, oder auch nur praktisch“ geschaffen werden, um mit „Rath und That“ dem wirtschaftlichen und technischen Aufschwung Preußens den Boden zu bereiten (Rede Beuths anlässlich der Gründung am 15.01.1821). Zweck des Vereins ist laut Statut, „die Entwicklung und den Aufschwung der Gewerbe im Preußischen Staate möglich zu befördern. Kenntnißnahme von dem Zustande der Gewerbesamkeit im Inlande und Auslande, Prüfung von Entdeckungen und Erfindungen, Unterricht, Aufmunterung durch Belohnung bedeutender Erfindungen, Konkurrenz durch das Aussetzen von Prämien…“.

Als Vereinsvorsitzender bringt Beuth eine der ersten technischen Zeitschriften in Deutschland auf den Weg: Die „Verhandlungen des Vereins zur Beförderung des Gewerbefleißes“, erscheinen über ein Jahrhundert (1822-1930) lang. Inhaltlich steht die Zeitschrift ganz im Sinne des wissenschaftlichen Austausches: Sie enthält neben Vereinsneuigkeiten, theoretische und praktische Abhandlungen, „Mittheilungen fremder Entdeckungen“, „Auszüge aus interessanten Schriften“, Skizzen, Zeichnungen und später auch Fotographien.

 

Das „Gewerbe–Instituts“ in der Klosterstraße 36
Beuth als Reformer der Lehre

Ein besonderes Anliegen Beuths war die Gründung einer Lehranstalt, die sich seiner Überzeugung nach nicht auf die Vermittlung theoretischer Kenntnisse sondern auf die Unterrichtung praktisch relevanter Fertigkeiten spezialisieren sollte. Am 01. November 1821 konnte die Vision Beuths realisiert und in den Räumlichkeiten des Vereins in der Klosterstraße die „Technische Schule“ eröffnet werden. In dieser wurden junge, in einem Gewerbe tätige Menschen mit zusätzlichen natur- und ingenieurwissenschaftlichen Fertigkeiten für höhere Tätigkeiten qualifiziert. Die Schule wurde 1827 in den Stand eines „Königlichen Gewerbe-Institut“ erhoben und 1866 zur „Gewerbe-Akademie“ ausgebaut. Vom Erfolg der Einrichtung zeugen die Karrieren zahlreicher Absolventen - beispielsweise des Maschinenbauers und Mitbegründers des „Vereins Deutscher Ingenieure“ Franz Grashof (1826-1893) nach dem heute auch ein Gebäude auf dem Beuth-Campus benannt ist. Schließlich ging die die Einrichtung 1879 in der neu gegründeten „Königlich Technischen Hochschule zu Berlin“ (heute Technische Universität Berlin) auf.

An die Tradition der Beuth’schen „Technischen Schule“ knüpfte fast einhundert Jahre später am Weddinger Zeppelinplatz die 1909 neu eröffnete „Technische Mittelschule“ an, die seit 1912 den Namen „Beuth-Schule, Höhere Technische Lehranstalt“ trug. Diese Technische Mittelschule ist eine von fünf direkten Vorgängereinrichtungen der heutigen Beuth Hochschule für Technik Berlin.

 

Beuth und Berlin

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war Beuth einer der bekanntesten Reformer Preußens, von dem die Autoren ausgingen, dass "sein Andenken ... unvergeßlich bleiben"(2) wird. Beuth erhält ein reich verziertes Ehrengrab auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof. Noch in seinem Todesjahr wird ein Denkmal in Auftrag gegeben, dass 1861 auf dem Berliner Schinkelplatz vor der Bauakademie errichtet wird. Beuth wird vom Künstler August Kiss (1802-1865) als überlebensgroße Figur auf einem Granitsockel entworfen. Der Sockel des Denkmals wird von Reliefs, die Allegorien und Zeitgenossen Beuths zeigen, eingerahmt. Autor ist der Bildhauer Friedrich Drake (1805-1882). Beuth steht damit in einem Ensemble mit Denkmälern für Albrecht Thaer und Karl Friedrich Schinkel. Nach schweren Kriegsschäden konnte der Schinkelplatz mit den drei Denkmälern 2008 rekonstruiert und wieder eröffnet werden.

Eine zweite Figuration Beuths befindet sich seit 1987 auf der Burggrafenstraße vor dem Institutsgebäude des Deutschen Institut für Normung, dessen Verlag ebenfalls den Namen Beuths trägt. Die lebensgroße Figuration zeigt Beuth und Wilhelm von Humboldt im Gespräch. Es handelt sich um einen Abguß von Sockelfiguren, die das Reiterstandbild des Königs Friedrich Wilhelm III. von Preußen auf dem Kölner Heumarkt begleiten. Das Reiterstandbild wurde vom Bildhauer Gustav Blaeser (1813-1874) entworfen und 1878 eingeweiht. Neben dem Gebäude Beuth der Beuth Hochschule für Technik Berlin, einer Briefmarke der Deutschen Bundespost, mehreren Straßennamen in Berlin, Leipzig und Düsseldorf erinnert sogar eine Lokomotive mit dem Namen „Beuth“ im Deutschen Technikmuseum Berlin an die Lebensleistung eines Mannes, den bereits seine Zeitgenossen angesichts der erfolgreichen Industrialisierung Preußens als den „Vater der Ingenieurwissenschaften“ getauft haben.(3)

 

Beuth als Namenspatron der Beuth Hochschule für Technik Berlin

Die 1971 gegründete Technische Fachhochschule Berlin bekannte sich bei Ihrer Umbenennung 2009 zu der angewandten Bildungs- und Wissenschaftstradition, die Beuth mit der Professionalisierung der handwerklich-technischen Ausbildung in Preußen initiiert hat. Mit seinem Fokus auf die praxisnahe Ausbildung von wissenschaftlich qualifizierten Fachkräften mit einem hohen Karrierepotential ist der Bildungsreformer Christian Peter Wilhelm Beuth ein Vorreiter des deutschen Fachhochschulwesens gewesen. (4)




1) Prof. Hans Joachim Wefeld, Begründer des Historischen Archivs der Beuth Hochschule, nannte Beuth den "Vater der Ingenieure". Beuths Initiativen bewirkten in Kooperation mit Handel, Gewerbe und Industrie den Aufbau technisch-wissenschaftlicher Bildungsinstitutionen.

2) Allgemeine Deutsche Biographie, Bd. II. (1875), S. 588.

3) Das Wochenblatt Stadt Cleve würdigt Beuth in dem 1861 veröffentlichten Nachruf als "Vater der preußischen Gewerbefreiheit". Werner von Siemens bezeichnete Beuth als "Vater der preußischen Industrie". v. Siemens, Werner: Lebenserinnerungen. Berlin 1892, S. 279.

4) Bereits in der Diskussion um die Notwendigkeit der Reform der Technischen Ausbildung um 1820 wird vermerkt, dass das "Handelsministerium ... unter dem Einfluss Beuths" die Konzepte des spätere Fachhochschulegedanken propagierte. Mieck, Ilja: Preussische Gewerbepolitik in Berlin 1806-1844. In: Veröffentlichungen der Historischen Kommission zu Berlin beim Friedrick-Meinecke-Institut der Freien Universität Berlin, Berlin 1965, Band 20, S. 41.

 

Stand: 11.07.12
Seite ausdrucken Zum Seitenanfang
© 2012 Beuth Hochschule, Redaktion: Alumni