Tomaten-DNA macht Brustimplantate sicher


06.09.2018 10:55 Uhr

Minderwertiges Silikon in Brustimplantaten kann die Gesundheit gefährden. Ein Verfahren zur fälschungssicheren Kennzeichnung haben Forscher/-innen, darunter Beuth-Studentin Marina Volkert, am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung entwickelt.

Produktpiraterie ist ein wachsendes Problem. Werden sensible Produkte wie Medizintechnik und Medikamente gefälscht, wird es riskant: Sie können der Gesundheit schaden oder sogar lebensgefährlich sein, wie der Skandal um Brustimplantate aus billigem Industrie-Silikon einer französischen Firma gezeigt hat. Künftig können Hersteller Implantate fälschungssicher kennzeichnen – mithilfe von verkapselter Tomaten-DNA.

Keine Chance für Produktpiraterie

Die unerlaubte Manipulation von Brustimplantaten ist schwer aufzudecken. „In der Regel kaufen die Fälscher hochwertige Einzelkomponenten von renommierten Lieferanten und strecken diese mit billigem Silikon, das einen Bruchteil des erstklassigen Materials kostet. Der finanzielle Gewinn der Produktpiraten ist immens“, erklärt Dr. Joachim Storsberg, Wissenschaftler am Fraunhofer IAP in Potsdam und Lehrbeauftragter an der Beuth Hochschule.

Eine Methode, die eine nachträgliche Manipulation einer oder mehrerer Komponenten sowohl qualitativ als auch quantitativ nachweist, entwickelte Storsberg gemeinsam mit einem Team, dem auch Marina Volkert angehört. Die Studentin der Pharma- und Chemietechnik hat ihre Bachelorarbeit am Fraunhofer IAP geschrieben. Ihre Arbeit mit dem Titel „Matrixpolymer-verkapselte DNA zur permanenten identitätssicheren Markierung von polysiloxanhaltigen Implantaten“ wurde, genau wie die mündliche Prüfung, mit sehr gut bewertet.

Die Idee hinter dem bereits patentierten Verfahren: Mithilfe von DNA-Sequenzen könnten Implantate permanent und identitätssicher markiert werden. Als Marker nutzen die Forscher/-innen Tomaten-DNA, die sich in diversen Experimenten dafür als ideal erwies.

Brustimplantate bestehen aus mehreren Komponenten. Diese kann der Hersteller schon bei der Produktion mit verkapselter Tomaten-DNA-Sequenz markieren. „Streckt der Produzent des eigentlichen Implantats die Komponenten nachträglich mit minderwertigen Materialien oder verwendet er eine niedrigere Konzentration, so lässt sich dies per PCR, einer Technik zur Vervielfältigung der DNA, nachweisen. Das funktioniert im Prinzip wie ein Vaterschaftstest“, führt Storsberg aus. Der Vorteil der Tomaten-DNA: Sie ist quasi kostenlos und eignet sich zum Kennzeichnen vieler polymerbasierter Implantate, also beispielsweise auch zum fälschungssicheren Markieren von Linsenimplantaten.

Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „Plastische Chirurgie“ veröffentlicht.

Weitere Informationen

Dr. Storsberg untersucht ein Brustimplantat mit austretender Gelfüllung © Fraunhofer IAP