Grünfassade schützt urbanes Klima

Europas größte Grünflächenfassade am Kö-Bogen II in Düsseldorfs Innenstadt bricht Rekorde. Phytotechnologe-Professor Dr. Karl-Heinz Strauch von der Beuth Hochschule für Technik Berlin unterstützte das urbane Nachhaltigkeits-Projekt mit seinem wissenschaftlichen Know-How.

Kö-Bogen II
Der mit Hainbuchen bepflanzte Kö-Bogen II ist ein Gebäudekomplex mit Geschäften und BüroräumenBild: HGEsch
Prof. Strauch mit Hainbuchen
Prof. Dr. Strauch im Baumschulbetrieb, der die Hainbuchen als Heckenelement produzierte. Danach wurden sie nach Düsseldorf transportiert und in das Trägersystem der Fassade eingesetzt Bild: M. Belz

Eine faszinierenden Fassadenbegrünung – die größte in ganz Europa – wächst und gedeiht am und auf dem Kö-Bogen II, einem attraktives Geschäfts- und Bürohausensemble in Düsseldorfs neuer Mitte, entworfen vom Düsseldorfer Architekten Christoph Ingenhoven. Über 30.000 Hainbuchen wurden auf die schrägen Fassaden und auf das Dach gepflanzt. Die Buchenhecke am Gebäude misst insgesamt rund acht Kilometer.

Ökologische Funktion

Hainbuchen sind robuste Heckenpflanzen, die nicht nur hübsch anzusehen sind, sie tragen auch zur Nachhaltigkeit in der Innenstadt bei und haben eine positive Auswirkung auf das innerstädtische Klima, denn die Bepflanzung verhindert ein überstarkes Aufheizen der Fassade, insbesondere der Dachfläche. Durch starke Sonneneinstrahlung könnte sie bis zu 70 Grad heiß werden, diese Wärme würde andernfalls zurück an die Umgebungsluft abgegeben werden. Dank der Hainbuchen-Bepflanzung entsteht aber eine Art Hitzepuffer für das Klima in der Innenstadt – quasi eine Wärmeregulierung. Doch sie hält nicht nur die Hitze ab: Durch die bedarfsgerechte Bewässerung sendet die Hecke über ihre Blätter auch Feuchtigkeit, sprich Kühlungseffekte, an ihr Umfeld ab. Weiter erzeugen die Pflanzen Sauerstoff und binden über ihre Blätterstruktur Feinstaub – damit erfüllen sie die gleiche ökologische Funktion wie etwa. 80 Laubbäume. 

Ein wichtiger Effekt ist auch die Regenwasser-Retention: Das Wasser fließt nicht in die Kanalisation, sondern wird über die Laubfläche zurück in die Atmosphäre gegeben. Damit wird eine „urbane “ Lücke im Wasserkreislauf geschlossen. Wissenschaftliche Unterstützung im Projekt gab es bei der Auswahl und Untersuchung der Fassaden-Pflanze und bei der Entwicklung des vegetationstechnischen Systems aus Berlin von der Beuth Hochschule für Technik.

Gebäudehülle als Energieumwandler

Prof. Dr. Karl-Heinz Strauch, Professor für Phytotechnologie an der Beuth Hochschule, leitet das Projekt. Er untersucht u. a. Pflanzen auf ihre Effekte für das innerstädtische Klima und führte mehrjährige Untersuchungen mit Hainbuchen durch. Die Gebäudehülle bezeichnet er als „großen, positiven Energiewandler im Einsatz gegen urbane Hitzeinseln“. Dabei wurde das relevante physiologische Verhalten der Pflanzen analysiert. Die Messungen fanden im Labor des Studiengangs Gartenbauliche Phytotechnologie (Fachbereich V) auf dem Campus der Beuth Hochschule statt. Dort wurde das Verhalten in dem nun auch realisierten Grünkonzept des Kö-Bogens gemessen. Die Hainbuchen wurden über einem Zeitraum von drei Jahren in einer Baumschule auf den Einsatz vorbereitet.

„Die Ergebnisse zum Wasser- und Nährstoffhaushalt der Pflanzen werden inzwischen zur Justierung bzw. Einstellung der Systeme eingesetzt. Und sie flossen auch in die Entwicklung bzw. Optimierung des vegetationstechnischen Systems – quasi eine Maßanfertigung – ein“, berichtet Prof. Strauch.

Damit wurde ein perfekt abgestimmtes System für die Heckenpflanzen entwickelt. „Es war eine Freude, in diesem Projekt tätig zu sein“, betont der Phytotechnologe, der von 2004 bis 2011 auch Erster Vizepräsident der Beuth Hochschule war.  

Im April sind die letzten Pflanzen eingesetzt worden. Innerhalb (oder im Inneren) des Grüns kann dann ab Herbst flaniert werden, dann wird der Gebäudekomplex mit seinen Geschäften eröffnet. Ein Live-Blick auf das grüne Herz der Stadt kann bis dahin über eine Webcam geworfen werden.

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