Coronavirus: Diskriminierungsfreie Online-Lehre

Achten Sie auch bei der Online-Lehre darauf, dass Ihr Lehrangebot möglichst diskriminierungsfrei gestaltet ist.

 

Rahmenbedingungen

  • Grenzen zwischen Privatsphäre und Studium verschwimmen (Webcam)
  • Verändertes Zeitmanagement der Studierenden durch z.B. Kita-/Schulschließungen, Pflegearbeit, Home Office
  • Technische Ausstattung ist bei allen Beteiligten unterschiedlich

Beteiligungskultur in digitalen Seminaren

  • Aktivierende Methoden unterstützen die Diversität der Lerntypen. Es gibt 4 Lerntypen, in die Studierende unterteilt werden können: Hörende, sehende, motorische und kommunikative Typen.
  • Es sollte auf Dominanzverhalten unter Studierenden geachtet werden (z.B. ständiges zu-Wort-melden ohne viel Inhalt, Abwertung/Übergehen anderer Beiträge, Hang zur persönlichen statt zur inhaltlichen Ebene). 
  • Die Wissensvermittlung sollte über möglichst verschiedene Wege und Sinne stattfinden.

Sprache/Bild/Ton

  • Lehre als Audioformat: Lernen über das reine Hörverständnis kann Studierende vor Herausforderungen stellen. Ist eine Audio-Deskription in der verwendeten Software möglich?
  • Barrierefreiheit: Sind alle Materialien lesbar, verständlich, klar ausgesprochen und übersichtlich? Können Studierende Probleme ansprechen, ohne eine Behinderung offenlegen zu müssen? Eine große, serifenlose Schrift (z.B. Calibri oder Verdana), großzügiger Zeilenabstand und ein hoher Kontrast (heller Hintergrund-dunkle Schrift) senken die Barrieren.
  • Bildsprache/Folien: Bildmaterial mit Personen sollte – wenn möglich – Menschen verschiedenen Alters, Hautfarbe, Körperformen oder Geschlecht zeigen und diskriminierte Gruppen nicht stereotyp darstellen.
  • Ansprache des Geschlechts: Achten Sie bei Ihren Folien und in ihren Audioansprachen auf möglichst geschlechtsneutrale Formulierungen. Tipp für Software: Bitten Sie die Studierenden, Vor- und Zunamen in der Software einzutragen und in Klammern, welche Anrede sie wünschen (z.B. eine gendergerechtere Ansprache über Vor- (und Nach-) namen oder eine geschlechtsbinäre Ansprache über Frau/Herr + Nachname).

Barrierearme Dateien erstellen

  • Nutzen Sie alle strukturierenden Funktionen, die Ihnen die Software bietet. Wenn Sie beispielsweise Text in einer Formatvorlage für Überschriften verfassen, kann später auch ein Screenreader erkennen, dass es sich um eine Überschrift handelt.
  • Erklären Sie audiovisuelle Elemente so, dass der Inhalt auch ohne Seh- oder Hörsinn klar verständlich ist. In der Regel sind dafür die Verwendung von Alternativtexten (Alt Text), Untertiteln oder Audiotranskripten notwendig, falls sie visuelle Elemente, wie Graphen oder Tabellen, oder Audio verwenden.
  • Die neueren Versionen von Microsoft Office bringeneine Funktion zur Überprüfung der Barrierefreiheit mit ("Überprüfen">"Barrierefreiheit überprüfen"), die unter anderem auf Grafiken ohne Alternativtext hinweist.
  • Wenn Sie dann die barrierefreie Word- oder Powerpoint-Datei als PDF speichern, müssen die einschlägigen Optionen ebenfalls aktiviert sein:

    Für Mac: Speichern als - pdf - Häkchen bei "Optimal für elektronische Verteilung und Barrierefreiheit"

    Für Windows: „Speichern unter“>“Dateityp:PDF“>“Optionen“> Häkchen bei "nicht druckbare Informationen", kein Häkchen bei "Text als Bitmap speichern"


Ausführliche Anleitungen zur Erstellung barrierefreier PDF-Dokumente in Word oder Powerpoint hat die TU Dresden zusammengestellt.  Hier finden Sie die detaillierten Hilfestellungen.

Empfehlungen:

  • Anwendung von Gender- und Diversity-Anregungen aus der nicht-digitalen Lehre. Eine breite Einführung bietet die  Toolbox der FU Berlin.
  • Entwerfen Sie einen Begrüßungstext vor dem Seminar, der die schwierige Situation beschreibt, zu mehr Freiwilligkeit und gegenseitiger Rücksichtnahme motiviert.
  • Geben Sie Möglichkeit für Nachfragen und Kritik. Auch wenn vielleicht nicht jedes Anliegen gelöst werden kann, haben Sie ein offenes Ohr, selbst wenn das Anliegen nicht unmittelbar mit dem Stoff zusammenhängt.

Da auch diese Empfehlungen nicht vollständig sind, sollte generell darauf geachtet werden, wo Personen aus Gender- und Diversity-Perspektive Probleme haben könnten, die online noch verstärkt werden.

Das  Kompetenzzentrum digitale Medien hat für Beuth-Lehrende einen  Moodle-Kurs erstellt, der Informationen zu digitaler Lehre bereitstellt.