Wie eine blinde Katze durchs Studium

Lyudmila Umanskaya studierte Drucktechnik. Zuerst in Minsk, dann an der Beuth Hochschule. Sie liebt den Geruch alter Bücher, ihr Aussehen, ihre Machart. Mit der weißrussischen Mentalität kam sie nicht zurecht und verließ ihre Heimat

Bild: Privat

Ihre Leidenschaft für Bücher wollte sie zum Beruf machen. Das war für die in Stawropol, Südrussland, geborene Lyudmila Umanskaya der Grund zu studieren. Als sie erkannte, dass sie dort als Frau unter 30, ohne Berufserfahrung und ohne Kinder, so gut wie keine Chance hat, in der Druckbranche Fuß zu fassen, begann sie parallel ein Studium zur Programmier- und Webdesignerin.

Anderssein ist ein Problem

„Wenn du in meiner Heimat ein wenig anders bist“, sagt sie, „kriegst du Probleme. Du bekommst schlechtere Prüfungsnoten und man bewertet, was du außerhalb des Studiums tust.“ Für Lyudmila Umanskaya Grund genug, eine neue Zukunft zu suchen. Ihr Traum: Nach Berlin zu kommen, was sich als schwierig erwies. „Für ausländische Studierende sind deutsche Gesetze nicht optimal. Als nicht EU-Bürgerin brauche ich ein Visum, das ich nur bekomme, wenn ich über genug Geld verfüge, mein Studium und meinen Lebensunterhalt selbst zu finanzieren. Meine Familie konnte das Studium jedoch nicht bezahlen.“

Stattdessen begann sie daher ein Studium an der Technischen Universität Wien. „Für ein zweijähriges Sprachkursvisum genügt es, dort immatrikuliert zu sein“, berichtet sie. Abermals plante sie den Umzug nach Deutschland, da sie sich in Wien nicht wohl fühlte. „Wie in Russland achten die Menschen dort sehr darauf, was man anzieht, welche Sprache man spricht, wo man arbeitet und woher man kommt.“

Studium an der Beuth

Für ein deutsches Arbeitsvisum fehlte ihr die Berufserfahrung, es blieb also nur ein Studium. „Ich suchte nach einem praxisnahen Studiengang, der zu dem Studium in Minsk passte; wo ich währenddessen die Sprache im Beruf lernen, die fehlenden Kenntnisse nachholen und Kontakte knüpfen konnte.“ An der Beuth wurde sie fündig. Sie entschied sich für den Bachelorstudiengang der Druck- und Medientechnik, welcher ihrer Meinung nach „mehr Ingenieurcharakter“ hat. Die Wahl war getroffen, doch das Bewerbungsprozedere hatte es in sich.

„Meine Eltern glaubten an mich und haben das nötige Geld zusammenbekommen.“ Die größere Hürde war die Anmeldung über uniassist, dann verlor die Post auch noch ihre Unterlagen. Die Immatrikulationsfrist und ihr Visum waren inzwischen abgelaufen und sie musste auf ein neues Visum warten. „Das sind krasse Erfahrungen. Doch ohne diesen Papierkram ist man in Deutschland ,kein Menschʼ“, erzählt sie frustriert. „An der Beuth hat mich fasziniert, dass die Studierenden respektiert werden. Prof. Dr. König, wie auch viele andere, hat mich im Studium und danach immer unterstützt, und mich quasi wie eine blinde Katze geführt. Mir wurde oft mehr geholfen, als ich es von meinen engsten Freunden erwartet hätte.“
Ihr Fazit: „Durch die Kombination aus dem theoretischen Studium in Minsk, ergänzt durch das praxisorientierte Studium an der Beuth, habe ich eine wirklich gute Basis für einen erfolgreichen Berufseinstieg.“

Heute arbeitet sie in der Prozessentwicklung in Berlin und schreibt gerade an einen Businessplan, um sich nebenberuflich selbstständig zu machen. Sie hat viel investiert und rät allen Studierenden: „Hört genau zu, lernt die Menschen kennen. Ihr wisst nie, wo ihr einen Job fi ndet und wer euch dabei hilft. Nicht jeder fi ndet gleich seinen Traumjob.“

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